Review

Azumi

-- Japan (2003), Regie: Ryuhei Kitamura

Ryuhei Kitamura (Aragami, Versus) ist bekanntermaßen ein einfacherer Regisseur, der zumeist einfach nur cool sein will. Der Meister der Comic-Inszenierung hat sich des Mangas Azumi von Yu Koyama angenommen und ein Schnetzelstück moderner Ausprägung geschaffen. Gewohnt episch und zu lang erzählt er eigentlich keine wirkliche Geschichte. Nur soviel: Eine Gruppe Jugendlicher wird von einem Schwertmeister (Yoshio Harada) fern der Zivilisation aufgezogen, um als perfekte Mordmaschinen unter seiner Anleitung in den Krieg zwischen den verschiedenen Clans um die Vorherrschaft in Japans einzugreifen. Neben einer Gruppe Jungs, allesamt aufstrebende Jungdarsteller Japans, ist auch die Schnuckelbiene Azumi (Popsternchen Aya Ueto) von der Partie. Diese ist die schnellste Kämpferin und auch die intelligenteste. Sie hinterfragt nämlich, ob sie auch das Richtige machen. Als sich alle entschließen, doch nicht gegen ihr zweites Opfer vorzugehen, hat dieses schon reagiert: Einer nach dem anderen wird umgebracht, und so obliegt es Azumi, gegen 500 Mann loszuziehen, um Rache zu üben.

Die Joystick-Handlung zieht sich insgesamt über 40 Minuten des 143minütigen Actioners. Zuviel, denn Aya Ueto mag zwar singen können, ihre einseitige Grinsebacke wird aber selbst der so einfachen Figur nicht gerecht. Als einziges ernstes Gesicht eine Art angestrengtes Nachdenken und sonst nur mit einem Grinsen der so schnuckeligen Art, dass selbst Glücksbärchi aufgrund der Süßlichkeit zu Diabetikern werden, reichen einfach nicht. Zudem mag die gute Dame mit dem Schwert nicht umgehen. Bei ihr wirkt es, als würde sie mit einem rosa Zauberstäbchen Herzlein in die Welt zaubern. Spätestens, wenn sie den wirklich großartigen Gegnern gegenübersteht, zum Beispiel einem ganz in Weiß gekleideten und immer mit Rose bewaffneten Bishounen, der seine Opfer immer sauber mit einem Schlag zu Boden bringt und sie dann langsam sterben lässt, oder einen Ninja mit Affengesicht, der sich auch wie der berühmte Affenkönig verhält, fragt man sich, warum sie nicht die etwas ältere Princess Blade Yumiko Shaku verpflichtet haben, der man das einfach abnehmen würde.

Aber auf der anderen Seite machen Uetos unbeholfenes Auftreten und Kitamuras effektvolle und extrem ausgeklügelte Inszenierung den Film erst zu dem trashigen Ereignis, das er über die meiste Zeit ist. Denn die 100 Minuten Kampfzeit werden dank immer neuer, zumeist sehr brutal und mit fast kindlicher Freude inszenierter Todesarten sehr schmackhaft zubereitet. Der Film hat hier mehr zu bieten, als zum Beispiel Versus, dem einfach das Budget fehlte. Kitamura setzt das neue Geld in deftige, wenn auch als solche erkennbare Effekte um, lässt sich aber auch nicht lumpen, verrückte Kamerafahrten und -Winkel auszuprobieren, für die zuvor einfach das Geld fehlte. Dass es hierbei nie darum ging, Historie nachzumempfinden, können alleine schon die plastik-artigen Klamotten der coolen Hauptdarsteller beweisen. Obwohl cool das falsche Wort ist. Denn cool wirken sie nur auf Leute, die das Alter, mit dem man diesen Film sehen darf, deutlich unterschreiten. Deshalb ist es nur Freunden gepflegter Albernheiten und unfreiwilliger Komik gegönnt, die Qualitäten hinter der peinlichen Fassade zu genießen. Manchmal nervt das Idol-System gehörig.

Azumi

Regie: Riuhei Kitamura
Darsteller: Aya Ueto, Shun Oguri, Hiroki Narimiya, Kenji Kohashi,
Takatoshi Kaneko, Yuma Ishigaki

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