Go
-- Japan (2001), Regie: Isao Yukisada

Klein und unauffällig lief innerhalb des Panoramas der 52. Berlinale ein gerade erst in Japan gestarteter Film des jungen Regisseurs Isao Yukisada. Der ehemalige Regieassistent Shunji Iwais lieferte mit Go eine so erfrischende und mitreißende Liebesgeschichte ab, dass der Film als die Überraschung des Festivals gelten darf.
Dabei hat er doch eine ganz einfache Geschichte: Der junge Sugihara verliebt sich in die schöne, wie kecke Sakurai, Problem ist nur: Er ist Halb-Koreaner, was in Japan zu einer gesellschaftlichen Ausgrenzung führt, Zudem hat er eine harte Vergangenheit: Als Sugihara noch als Nordkoreaner auf die koreanische Schule ging, war alles halbwegs in Ordnung, außer dass er nicht mit seinem Frust klarkam, Jetzt geht er auf eine japanische Schule, wo er sich seinen Platz schwer erkämpfen durfte, Anfangs scheint es eine gute Liebesgeschichte zu werden, Denn Sakurai weiß nicht, dass Sugihara kein reiner Japaner ist. Als aber dessen bester Freund in der U-Bahn zwischen eine Gang Halbstarker geht und dabei stirbt, wendet sich das Blatt. Sugihara gesteht seiner Freundin kurz vor dem ersten Mal, dass er koreanischer Abstammung ist, wie es sein bester Freund immer gewollt hat. Und sie, aus einer strengen und patriotischen Familie stammend, kommt damit nicht klar. Soll seine Liebesgeschichte so enden?
Yukisada startet Go mit einem Shakespeare-Zitat. Seine Geschichte wirkt wie eine moderne und japanische Version von Romeo und Julia, in der die verfeindeten Häuser durch zwei Nationalitäten ausgewechselt wurden, Da es aber eine japanische Geschichte ist, kann man das Ende damit noch lange nicht erwarten,
Go ist ein erfrischend inszenierter Film, voller visueller Einfälle und ganz am Zahn der Zeit. Sugihara, der seine Geschichte selbst aus dem Off erzählt (und sich selbst immer wieder daran erinnern muss, dass er hier seine Liebesgeschichte vorträgt), hat einen erschreckenden Hintergrund, er war selbst in einer gewalttätigen Gang und sein Vater hat ihn mehrfach zusammengeschlagen. Dennoch sieht er das augenzwinkernd, genauso wie der Film selbst. Die erste Hälfte spielt mit Zeitlupe, Jumpcuts und hochstilisierten Filterbildern, lebt ganz vom Rhythmus der Musik zwischen Techno und Meta!. Erst als sein bester Freund stirbt, regelt der Film auf eine langsamere Erzählweise runter, was aber erstaunlich gut funktioniert.
Go ist eine actionreich erzählte, modern-japanische Romeo und Julia-Variante, ein höchst unterhaltsamer Film, der nebenbei viel über japanisch-koreanische Lebensverhältnisse erzählt. Wer nach diesem Film nicht mit einem Hochgefühl das Kino verläßt, ist wohl ein echter Griesgram.
Go
Regie: Isao Yukisada
Drehbuch: Kankuro Kudo
Kamera: Katsumi Yanagishima
Das Artikelbild und / oder der besprochene Film sind Copyright 2001 by Rapid Eye Movies
Copyright des Textes liegt beim Autor. Der Text erschien zuvor in dem Print-Magazin Mangaszene.