Ride with the Devil
-- USA (1999), Regie: Ang Lee

Ang Lees Western mit dem Auge eines Unbeteiligten löst den schwierigen Anspruch, den Bürgerkrieg der USA aus südstattlicher Sicht zu zeigen, hervorragend. Nur wenige Schwächen bei der Übertragung des Romans auf die Kinoleinwand halten den wunderbar photographierten und fantastisch besetzten Film davon ab, ein wirkliches Meisterwerk der intelligenten Unterhaltung zu werden.
Der einfache Farmerssohn Jake (Tobey Maguire) ist mit dem reichen Jack (Skeet Ulrich) befreundet. Als der Bürgerkrieg auch in ihrer südlichen Heimat ausbricht und Jack seine Familie beim ersten Angriff der Yankees verliert, schlagen sich die beiden auf die Seite der Bushwakers, der südstaatlichen Untergrundkämpfer. Sie kämpfen bis zum Winter und müssen nun untertauchen. Zusammen mit dem aristokratischen George (Simon Baker) und seinem schwarzen Freund Holt (Jeffrey Wright) machen sie ein Winterquartier nahe der Wilkinson-Farm. Dort lebt die junge Witwe Sue Lee Shelly (Jewel Kilcher), die alsbald für Probleme sorgt, als sie sich in Jack verliebt. Und als die nordamerikanische Armee das Lager der vier ungleichen Bushwakers angreift, wandelt sich alles schnell zur Tragödie…
Wie kaum ein anderer Film der letzten Jahre, setzt Ride with the Devil extrem viel Verständnis und Interesse am Thema bei seinen Zuschauern voraus. Die Geschichte des einfachen Immigranten, der aus Loyalität mit seinem aristokratischen Freund gegen die nordstaatliche Armee kämpft, fordert ein gewisses Wissen, aber auch Offenheit. Denn Ang Lee zeichnet nicht das Standardbild der sklavenhaltenden, bösen Südstaatler gegen die heroischen Yankees. Er machte es schwerer, indem er den südlichen Partisanen, den sogenannten Bushwakers, zwei widersprüchliche Figuren zuordnet. Sowohl Jake, der Deutsche, als auch der mitkämpfende Schwarze Holt scheinen eigentlich nicht zum Süden zu passen. Sie verbindet mit dem Staatenbund recht wenig, bei beiden ist es eher ein Bund, der aus der Freundschaft entspringt. So folgt Holt George und Jake seinem besten Freund Jack Chiles. Scheint das Verhältnis zwischen Jake und Jack fast geklärt, so bleibt Holt geheimnisvoll. Der Film bezieht seine ganze Kraft aus den manchmal widersprüchlich, dann wieder vollkommen verschlossen wirkenden Figuren. Ang Lee löst dies hervorragend auf, indem er — ganz typisch — gar nicht erst versucht, alles zu erklären. Er bleibt immer im Hintergrund.
Überhaupt zeichnet sich die Regie dadurch aus, dass man sie während des Films kaum bemerkt. Dabei leistet Lee einiges. Er schafft seinen Schauspielern Raum, so dass sie — allen voran Maguire und Wright, aber auch Jewel als die sehr wichtige, starke Frauenfigur — ihren Figuren unendlich Facetten verleihen. Der ganze Film steht auf den Schultern der Figuren, die Story selbst scheint zurückgedrängt. Lee nutzt sie eher dazu, einen interessanten Rhythmus zu erzeugen, der immer mehr an sich zu reißen scheint. Er nutzt dafür die lauten Kampfszenen, die er fulminant und mitreißend, dabei aber nie reißerisch in Szene setzt, und mehrere äußerst harte Gewaltszenen, um mit den sehr ruhigen Charakterszenen, die fast schon kammerspielartig daherkommen, ein Wechselspiel zu erzeugen, dass Langeweile verhindert und Interesse schürt. Hier spielt auch die sehr gute Musik von Mycheael Danna eine wichtige Rolle.
Ang Lee arbeitet mit wunderbaren Bildern und holt aus allen Darstellern das Beste raus. Ride with the Devil gibt so ein spannendes Zeitportrait. Leider merkt man dem Film etwas zu stark an, dass Ang Lee stärker darin ist, Charaktere und Szenen aufzubauen. Die gesamte Geschichte leidet ein wenig darunter, dass das Drehbuch die komplexe Vorlage manchmal zu wenig umstrukturiert hat. So tauchen manche Personen ganz kurz in einer Szene auf und verschwinden dann ganz schnell wieder. Die stört den Gesamtrhythmus des Filmes ein wenig. Dennoch bleibt die Stärke, nämlich Atmosphäre und Figuren, sehr stark haften. Wer gerne im Kino etwas erfährt und auch ein wenig mitdenken möchte, für den ist Ang Lees Ride with the Devil Pflichtprogramm. Kaum ein Film hat die letzten Jahre so zurückhaltend erzählt.
Ride with the Devil (Ride with the Devil)
Regie: Ang Lee
Drehbuch: James Schamus
Kamera: Leo Hurwitz
Mit: Tobey Maguire (Jake Roedel), Jeffrey Wright (Daniel Holt), Skeet Ulrich (Jack Bull Chiles), Jewel Kilcher (Sue Lee Shelly), Simon Baker (George Clyde), Jonathan Rhys Meyers (Pitt Mackeson), James Caviezel (Black John)
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